Unser erster Bikepacking Overnighter in Dänemark

An diesem Wochenende im April war unser zweiter Hochzeitstag und wir wollten das ganz besonders feiern. Deshalb haben wir uns auf unsere Räder geschwungen und sind auf ein Bikepacking-Abenteuer aufgebrochen, das uns auf die Inseln Sylt und Rømø führte. Die Sonne schien die ganze Zeit und die Landschaft war atemberaubend schön, aber leider hatten wir auch mit heftigen Böen bis zu 50 km/h zu kämpfen. Zusätzlich gab Janas Gangschaltung schon nach wenigen Kilometern den Geist auf, was bedeutete, dass sie die gesamte Tour mit nur einem Gang fahren musste. Trotzdem haben wir uns nicht unterkriegen lassen und sind unserem Ziel treu geblieben. In diesem Blogpost teilen wir unsere Erlebnisse und Erfahrungen mit euch und verraten, wie wir uns schlussendlich gegen die Widrigkeiten durchgesetzt haben.

Erster Zwischenstopp: Morsumer Kliff

Am frühen Morgen haben wir den Zug von Hamburg-Altona nach Sylt genommen und sind nach knapp drei Stunden Fahrt in Morsum ausgestiegen. Unser erstes Zwischenziel an diesem Tag war das Morsumer Kliff, das wir schon von unserem letzten Besuch auf der Insel in wunderschöner Erinnerung hatten. Dort wollten wir unser zweites Frühstück einnehmen und die Aussicht genießen. Schon auf dem kurzen Weg dorthin merkten wir, dass es ein windiger Tag werden würde. Aber wir ließen uns nicht beirren und machten uns auf den Weg. Schließlich waren wir ja gerade erst angekommen und hatten noch einiges vor uns an dem Tag. Als wir endlich am Morsumer Kliff ankamen, waren wir wieder einmal begeistert von der wunderschönen Aussicht, die sich uns bot. Wir aßen kurz einen Riegel und machten uns dann wieder auf den Weg.

Nichts ist schlimmer als Gegenwind, findet Jana. Gegenwind ist ihr Endgegner. Deshalb hofften wir, dass der Wind an diesem Tag noch drehen würde. Wir machten uns auf den Weg über schöne, aber holprige Feldwege und fuhren dann durch Keitum, das durch seine schönen altfriesischen Häuser immer wieder ein Hingucker ist. Als wir gerade den Sylter Flughafen neben uns liegen ließen, meldeten sich unsere Mägen. Leider hatte der Riegel am Kliff nicht gereicht, um unseren Hunger zu stillen. Eigentlich wollten wir Westerland nicht in unsere Route mit aufnehmen, aber es war der nächste Ort in diesem Moment. Wir hatten immer noch eine Rechnung offen mit Sylt und wollten es noch einmal mit Pommes versuchen. Vielleicht erinnerst du dich noch an unsere Sylt-Umrundung, bei der wir vergeblich nach einer Portion Pommes gesucht hatten. Dieses Mal waren wir erfolgreicher und fanden im "Münchner Hahn" das, wonach wir suchten. Natürlich, wieso auch nicht Pommes auf einer Nordseeinsel bei einem Imbiss mit bayerischem Bezug essen? Es lag doch nichts näher. Egal, satt und zufrieden machten wir uns wieder los.

Wir machten uns weiter auf den Weg entlang der Westküste, als plötzlich Janas Schaltung den Geist aufgab. Sie hatte schon vorher gemerkt, dass etwas nicht stimmte, aber jetzt schaltete sie überhaupt nicht mehr. Wir hatten zu Hause schon mal Probleme mit der Di2 und der Verbindung zum Akku gehabt, aber wir dachten, wir hätten sie in den Griff bekommen. Wir hatten uns geirrt. Und natürlich hatten wir das passende Werkzeug nicht dabei. Da war es, unser erstes Learning für die nächste Tour. Jetzt stand Jana also mit nur einem Gang da, aber sie gab nicht auf. Wir hatten einen kurzen Stopp an einem Strand eingeplant, der zum einen wunderschön war und zum anderen über einen sauberen Toiletten-Anhänger verfügte. An der Düne, die zwischen uns und dem Strand lag, musste Jana dann leider schieben, die Rampe und der Untergrund waren in Verbindung mit dem Gepäck am Rad und dem falschen Gang für sie so nicht fahrbar. Ich hätte mir den "Wer sein Rad liebt, der schiebt"-Spruch beim Vorbeifahren durchaus sparen können, aber manchmal rede ich erst und denke dann.

Auf Sylt mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, ist immer wieder ein Highlight für uns. So kommt man an die schönsten Ecken der Insel heran, Orte, die man vielleicht nur per Rad oder zu Fuß erreichen kann. Natürlich ist die Insel immer voll von Touristen, auch von E-Bike-Touristen. Aber hey, wir sind ja auch Touristen und haben deshalb kein Recht, uns zu beschweren. Wir wollen doch auch die schönen Orte sehen und genießen. Was macht uns also zu "besseren" Touristen als andere? Nichts. Also lassen wir das Gejammer und freuen uns, dass so viele Leute die Insel und ihre Schönheiten entdecken wollen.

Leider mussten wir unsere eigentliche Route etwas ändern, da wir nicht mehr ganz im Timing waren. Der Gegenwind und die defekte Schaltung waren nicht wirklich hilfreich. Wir entschlossen uns deshalb, den Ellenbogen, den nördlichsten Punkt der Insel (und Deutschlands), diesmal auszulassen, auch wenn es dort wunderschön ist und der Norden der Insel unser liebster Ort ist. Stattdessen wollten wir im Hafen von List eine Fähre früher nehmen und dadurch mehr Zeit auf Rømø haben. Jana war noch nie auf Rømø, aber ich schwärme immer so davon, dass sie sehr gespannt war. Sylt kannten wir ja schon, aber Rømø hatte noch so viele Geheimnisse für uns bereit. Also machten wir uns auf den Weg zum Hafen und freuten uns auf unsere nächste Abenteuerinsel.

Die Sylt-Fähre stand im Hafen schon bereit und war kurz vor der Abfahrt. Perfektes Timing! Mit der Fähre braucht man nur 30 Minuten von Sylt nach Rømø. Ein Ticket für eine Person inklusive Fahrrad kostet 12 Euro. Leider gab es auf der Fähre keine wirklich guten Plätze, um unsere Fahrräder abzustellen, oder wir haben sie übersehen. Also entschlossen wir uns, bei ihnen zu bleiben und sie festzuhalten. Dadurch sahen wir bedauerlicherweise nichts von der Landschaft während der Überfahrt und wurden zusätzlich von den durch die Vibrationen ausgelösten Alarmanlagen der Autos neben uns genervt. Aber wir waren ja bald am Ziel und freuten uns darauf, Rømø zu erkunden.

Die Fähre legte pünktlich in Havneby (der Hafen könnte dir bekannt vorkommen, falls du den Roman Polanski Film "The Ghost Writer" gesehen hast) an und wir durften nach den ganzen Autos von der Fähre runterfahren. Wir wurden von offensichtlich gut gelaunten, singenden Seeleuten verabschiedet und machten uns auf den Weg Richtung Sønderstrand. Rømø ist eine wunderschöne Insel, die es irgendwie schafft, Menschen in ihren Bann zu ziehen. Der Sandstrand ist endlos und der Himmel so unendlich blau. Wir hatten das Glück, dass das Wetter auf unserer Seite war und die Sonne weiter schien. Urplötzlich war auch der Wind weg. Wie großartig! So durfte es gern bleiben.

Es dauerte nur wenige Minuten, bis sich ein richtiges Urlaubsgefühl einstellte. Ich fragte mich, wie es wäre, wenn wir hier mal für etwas länger bleiben würden, vielleicht sogar einen ganzen Monat. Mit unseren Jobs ist das ja durchaus möglich. Einziger Haken: unsere Katze, die uns leider davon abhält. Aber wie schön wäre es, wenn man vor oder nach der Arbeit oder zur Mittagspause mit dem Rad rausfahren und sich direkt in dieser wunderschönen skandinavischen Landschaft verlieren könnte. Es wäre schon etwas Besonderes, wenn man in solch einer atemberaubenden Umgebung arbeiten kann. Allerdings muss ich auch zugeben, dass Rømø eine recht kleine Insel ist und die Touren irgendwann vielleicht auch immer gleich aussehen würden. Das bekannte Sprichwort 'Das Gras ist immer grüner auf der anderen Seite' scheint in diesem Fall wohl zuzutreffen. Trotzdem war es ein wirklich schöner Gedanke.

Mit diesen Gedanken im Kopf rollten wir weiter Richtung Lakolk Strand. Auf dem Campingplatz waren wir zunächst etwas verloren und fanden unseren Stellplatz für die Nacht nicht. Die grasüberwachsenen Steine mit den Nummern darauf waren schwer zu erkennen und wir hatten Schwierigkeiten, uns zurechtzufinden. Glücklicherweise konnten uns andere Camper helfen und wir fanden so schließlich unseren Platz. Es war das erste Mal, dass wir unser Zelt benutzten und wir mussten erst einmal herausfinden, wie der Aufbau genau funktioniert. Der Aufbau ist zwar kinderleicht, aber wenn es so windig ist wie es in dem Moment war, dann kann es schon etwas länger dauern. Es war in diesem Moment, in dem wir uns wohl wirklich über die Existenz von SUVs gefreut haben, denn unser Nachbar bot uns an, seinen als Windschutz vor unser Zelt zu stellen. Das hat wirklich sehr geholfen, so einen Panzer, als Windbrecher zu haben.

Als das Zelt endlich stand, machten wir uns auf den Weg zum Strand. Die Sonne schien immer noch und es war zwar windig, aber die Temperaturen waren noch angenehm. Jana war beim Anblick des Strands völlig beeindruckt von seiner Größe. Er ist 12 km lang und 1-3 km breit und dass dann auch noch Autos darauf fahren dürfen, war etwas völlig Neues für sie. Wir suchten uns in der Mitte des Strands hinter einer Mini-Düne Windschutz und riefen meine Mutter an, um ihr von unserem Abenteuer zu erzählen. Nach dem Telefonat machten wir uns auf den Weg bis ans Meer. Der Sand unter unseren Rädern knirschte und der Wind peitschte uns ins Gesicht. Als wir das Meer erreichten, war der Himmel noch immer in verschiedenen Rottönen gefärbt und der Sonnenuntergang war atemberaubend schön. Leider wurde es ziemlich schnell kalt und wir mussten uns auf den Rückweg machen. Trotzdem war es ein unvergesslicher Abend und wir freuten uns schon auf den nächsten Tag unserer Reise.

Zurück auf dem Campingplatz haben wir noch schnell etwas mit unserem kleinen Kocher gekocht und uns dann in die Schlafsäcke verkrochen. Natürlich nicht ohne zuvor die Räder doppelt und dreifach zu sichern. Wir haben zwar eine gute Fahrradversicherung, aber man weiß ja nie. …

Die erste Nacht im Zelt zusammen war spannend. Wir waren beide etwas nervös, ob alles klappen würde und ob wir genug Platz haben würden. Doch schon nach wenigen Minuten hatten wir uns an die Enge gewöhnt und fielen in einen tiefen Schlaf.

Am nächsten Morgen war ich vor Jana wach und weckte sie vorsichtig. Wir hatten beschlossen, zum Sonnenaufgang noch einmal die Insel etwas zu erkunden, ohne das Gepäck am Fahrrad. Die Nacht war leider nicht sehr erholsam gewesen. Im Schlafsack zu schlafen ist immer noch etwas ungewohnt und manchmal können die Geräusche, die entstehen, wenn sich jemand umdreht, ziemlich laut erscheinen. Egal, wir setzten unser Vorhaben um und entdeckten mitten in einem kleinen Waldstück einen See, der im Morgenlicht wunderschön aussah. Ich war zwar schon ein paar mal auf Rømø gewesen, aber der See war auch neu für mich. Nachdem wir gefrühstückt und das Zelt abgebaut und alles eingepackt hatten, machten wir uns auf den Weg. Der Wind hatte über Nacht etwas nachgelassen, aber jetzt nahm er wieder Fahrt auf.

Wir hatten bei der morgendlichen Tour gemerkt, dass Janas Gangschaltung plötzlich wieder funktionierte. Das machte den Ausblick auf den heutigen Tag etwas besser, denn sie hoffte nicht wieder, mit nur einem Gang gegen den Wind ankämpfen zu müssen. Vor allem nicht, da der Rømø-Damm vor uns lag. Der Damm verbindet die Insel mit dem dänischen Festland, ist knapp 10 km lang und es geht nur geradeaus durch das Wattenmeer.

Tja, wir hatten uns etwas zu früh gefreut, kaum hatten wir unsere Taschen wieder an den Fahrrädern befestigt, ging die Schaltung plötzlich wieder nicht mehr. Wir waren überfragt und dezent genervt. Aber wir wollten ja nicht wieder die Fähre nach Sylt nehmen, sondern über das dänische Festland zurückfahren. Also blieb uns nichts anderes übrig, als so weiterzufahren. Die Fahrt auf dem Damm war ein besonderes Erlebnis, obwohl es fraglich ist, ob es wirklich schön war. Es gibt auf der gesamten Strecke nur zwei oder drei Parkbuchten, in denen man sicher anhalten kann. Man wird von Autos und Wohnmobilen überholt, die zwar nicht zu nah an einem vorbeifahren, aber der Wind knallt dann umso heftiger rein, wenn er kurz durch einen Camper oder einen Lkw geblockt wurde. Es war ein wenig beängstigend, aber wir hatten keine andere Wahl, als tapfer durchzuhalten. Ich fuhr ununterbrochen vor Jana, um ihr zumindest etwas Windschatten zu geben. Ich glaube, mein Puls kam dort ziemlich ins Rasen, wir vom Tempo her eher weniger.

Nachdem wir den Rømø-Damm erfolgreich hinter uns gebracht hatten, die Hauptstraße verlassen und den ersten Schotterweg am Deich erreicht hatten, machten wir eine kurze Pause im Windschutz, um unseren Hochzeitstag mit einem riesigen Protein-Cookie zu feiern. Denn wie man weiß: ohne Mampf, kein Kampf! Während wir weiter auf dem schönen Schotterweg entlang am Deich fuhren, der Teil des Nordseeküstenradwegs ist, entdeckten wir überall süße Schaf-Babies, die uns neugierig beobachteten. Eines der Schafe stolperte fast vor unsere Räder. Glücklicherweise waren wir ohnehin schon langsam unterwegs, um den Lämmern ausweichen zu können und konnten wir rechtzeitig bremsen. Der starke Rückenwind machte uns das Fahren deutlich leichter und wir waren viel schneller unterwegs als erwartet. Kaum hatten wir die deutsche Grenze erreicht, spürten wir jedoch sofort wieder den Stress der Autofahrer. Wir fragten uns, wieso die Autofahrer in Dänemark so entspannt und umsichtig sind, während nur wenige Kilometer weiter plötzlich alle wie die letzten Henker fahren.

Wir hielten noch an einem Hofladen mit Selbstbedienungsautomat an und Jana holte uns zwei Flaschen Fritz-Cola, um die Wartezeit auf den Zug nach Hamburg etwas zu verkürzen. Da wir früher als gedacht in Klanxbüll ankamen, sahen wir den vorherigen Zug gerade noch wegfahren. So mussten wir eine Stunde warten, aber wenigstens hatten wir die Fritz-Cola, um uns die Zeit zu vertreiben.

Unser erster Overnighter war wirklich ein besonderes Erlebnis und wir haben viele schöne Erinnerungen daran. Wir haben gemerkt, dass wir das Radfahren in Dänemark wirklich genossen haben und werden sicherlich bald wieder eine Tour planen. Bis bald, Rømø!

Unser Vlog zu dieser Tour:

https://www.youtube.com/watch?v=RbquIAuqKAw

Der frühe Vogel und sein Wurm oder die Nordheide im Nebel

Es war wieder einmal so weit – für unseren kleinen Radausflug durch das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide stellten wir unseren Wecker um 4:30 Uhr. Unser Plan: mit dem ersten Zug nach Buchholz und dann ab in die Heide. Die flache und weite Landschaft bietet sich für kleine Ausflüge aus dem Alltag nahezu an. In Niedersachsen ist dies der größte autofreie Bereich und somit der perfekte Ort, um mal wieder runterzuschalten. Viele Hotels und Ferienunterkünfte sind rund um die Heide für Fahrradfahrer ausgelegt, denn am besten lässt sich dieses schöne Stück Erde mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkunden. Da wir nicht allzu weit entfernt wohnen, bietet sich ein Tagesausflug mit dem Zug oder komplett mit dem Fahrrad nahezu an.

Nachdem der Wecker geklingelt hatte, bedeutete es für uns also, ab in den Magen, mit unseren morgendlichen Drinks und einem stärkenden Haferflocken-Frühstück, die ausgelegten Kleidungsstücke anziehen und los gehts.

Die Fahrräder hatten wir vorausschauend am Abend schon vorbereitet. Wir waren müde, denn abgesehen davon, dass es unglaublich früh war, wurde in dieser Nacht auch noch die Zeit umgestellt und die Katze war sehr unruhig. Kaffee gab es keinen, denn den wollten wir uns später unterwegs selbst kochen.

Vor der Haustür war es kalt und neblig. Angeblich 2 Grad, gefühlt weniger. Wir fuhren mit unseren Fahrrädern also schnell durch die verschlafene Stadt zum Bahnhof, um vor Ort festzustellen, dass unser Zug verspätet ist. Wir entschieden uns dann für eine Alternativ-Verbindung und kamen dann schließlich zum Sonnenaufgang in Buchholz an.

Nur ein paar Meter vom Bahnhof entfernt, hatten wir dann eines unserer Tages-Highlights entdeckt. Der kleine Stadtteich, in dessen Mitte ein Baum stand und dichter Nebel, der all das umgab. Ein wahnsinnig schöner Anblick und kurz waren die Kälte und die frühe Uhrzeit vergessen.

Nach ein paar Fotos und einer kleinen Pipi-Pause ging es für uns weiter in Richtung Lüneburger Heide. Selbst die größeren Straßen, an denen wir entlangfuhren, waren von Stille und Nebel umgeben.

Es waren kaum Autos unterwegs und so erhaschten wir einen Blick auf ein Reh, das nicht weit von uns zwischen abgeholzten, oder vom Sturm umgeworfenen Bäumen stand. Lang genug, um es zu fotografieren und einen Augenblick zu bestaunen.

Schließlich erreichten wir die Heidelandschaft und das Büsenbachtal. Die Heidelandschaft zeigt ihre ganze Schönheit und Pracht zwar erst im Spätsommer, wenn alles blüht, aber davon war ohnehin an diesem Tage nichts zu sehen. Der dichte Nebel hing tief über den Hügeln der Heide. Es war wunderschön. Und unglaublich still.

Zumindest, wenn wir stehen blieben und unsere Reifen auf dem Gravel keine Geräusche machten. Weit entfernt konnten wir ein paar Vögel hören, aber sonst nichts. Es umgab uns neben dem Nebel eine Stille, wie wir sie lange nicht erlebt hatten.

Weiter unsere geplante Route entlang ging es zum Pferdekopf. Unter Pferdekopf verbirgt sich nicht der Kopf eines Pferdes, sondern eine kleine Erhebung im Büsenbachtal, auf der es einen schönen Überblick über das Gebiet gibt.

Wir waren zwar erst knapp 12 Kilometer gefahren, aber bei kühlen 5 Grad und der noch immer frühen Stunde passte es perfekt, auf dem Hügel eine Kaffeepause zu machen.

Außer einer Läuferin und bellenden Hunde (und nach den Hunden schreiende Menschen) in der Ferne war niemand weit und breit.

Die wärmende Jacke übergezogen, oder über die Beine gelegt probierte Jana das erste Mal, zitternd vor Kälte, unseren Gaskocher aus. Das Kaffee- und Milchpulver war bereits vermischt und das Wasser wärmte sich langsam auf. Durch den Wind dauerte es leider etwas. Doch dann gab es Kaffee und Kekse. Nur etwas zum Verrühren hätte dem klumpigen Kaffeepulver gutgetan. Das merken wir uns für das nächste Mal.

Weil wir nicht festfrieren wollten, ging es dann schnell weiter in das angrenzende Naturschutzgebiet Brunsberg. Immerhin wollten wir nicht nur Kaffee trinken, sondern auch ein wenig Fahrrad fahren. Um unsere Gliedmaßen wieder aufzuwärmen, war das auch eine gute Idee.

Auf unserem Weg durch die Heide, am Brunsberg und am Höllenberg vorbei, und runter zur Höllenschlucht, fuhren wir durch kleine Waldstücke und mussten mehreren (oder eher: sehr vielen) vom letzten großen Sturm umgeworfenen Bäumen ausweichen. Die größeren Wege wurden freigeräumt, das erzählte uns ein älteres Ehepaar, welches wir im Wald trafen. Andere, kleinere Wege hingegen glichen einem Baumfriedhof. Ein trauriger und ehrfürchtiger Anblick: die Naturgewalt und die Anzahl der umgefallenen Bäume.

Der frühe Vogel und sein Wurm: mitten auf dem Weg saß eine kleine Rotdrossel mit Wurm im Schnabel. Die Kleine saß hartnäckig auf dem Weg und nachdem Björn sehr eng an ihr vorbeigefahren war, blieben wir stehen, um den kleinen, scheinbar angstfreien Vogel anzuschauen (und natürlich zu fotografieren). Nachdem der Kleine zunächst in unsere Richtung gehüpft war, um wie ein Model vor der Kamera zu posieren, hüpfte er schließlich doch an den Wegesrand.

Der Nebel hielt sich hartnäckig. In den Waldstücken war die Sicht besser, auf den offenen und Heideflächen hingegen war auch gegen 12 Uhr noch immer Nebel. Der Himmel war bedeckt und von der angekündigten Sonne nicht viel zu sehen.

Schließlich, auf dem Weg durch das Seevetal, welches wir auf Radwegen und einer sehr ruhigen Straße durchquerten, ließ sich die Sonne blicken. Die Temperatur stieg schnell und so mussten wir eine kurze Pause machen, um unsere warme Kleidung auszuziehen. Trotz etwas Wind rollten wir auf traumhaften Radwegen mit einer für uns schon schnellen Geschwindigkeit zu unserem Ziel des Tages. Der Bahnhof Maschen.

Der Bahnhof in Maschen war klein und bunt. Bemalt in allen Farben und bei den Treppenstufen hingen viele bunte Bilder. Ansonsten gab es zwei Gleise und die Züge, die hier hielten, fuhren etwa stündlich. In zwei Richtungen. Der Fernverkehr fuhr jedoch laut, lärmend und schnell vorbei. Wir mussten eine halbe Stunde auf unseren Zug warten, also setzen wir uns auf das Gleis und genossen die Sonne, die unsere durchgefrorenen Körper mittlerweile aufgewärmt hatte. Und dann kam kein Zug, sondern die Ansage, dass dieser ausfiel. Wir hatten keine Lust, mit den Fahrrädern ganz bis nach Hause zu fahren, obwohl das durchaus möglich gewesen wäre. Deswegen warteten wir noch eine Stunde am Bahngleis auf unseren Zug. Die Wärme der Sonne und die wenigen anderen Wartenden machten die Zeit recht angenehm. Nur zu essen hatten wir leider nichts mehr.

Wir reflektierten unseren Tag. Viel zu lange hatten wir nicht mehr eine so schöne Tour gemacht. Trotz der Kälte am Morgen waren wir glückselig. Das hatten wir mal wieder gebraucht. Es war fast wie Urlaub.


Zwei sehr unterschiedliche Schlösser

Eins sei im Vorhinein gesagt, das hier ist keine unglaublich lange oder schwierige Route. Es sind entspannte 40 Kilometer, die zum Verweilen und Bestaunen der Highlights einladen. Da für uns das Entdecken neuer Orte oder Wiederentdecken bereits bekannter Orte immer dazu gehört, ist dies eine kurze Strecke ganz nach unserem Geschmack.

Um die Route für viele Menschen zugänglich zu machen, startet sie am kleinen Bahnhof in Werne und führt dann entlang des Werner Stadtwaldes, vorbei am Schulzentrum und dem Krankenhaus auf den Weg.

Bereits nach wenigen, wirklich sehr wenigen Kilometern kommst du am ersten Highlight vorbei. (Nicht für uns persönlich, da wir keinen Alkohol trinken). Für dich könnte die Kornbrennerei Ehringhausen jedoch interessant sein. Hier kannst du im Hofladen in der Auswahl der Liköre, Weinbrände und Gins stöbern, oder im Vorfeld eine Tour durch die Brennerei inklusive Verkostung buchen.

Weiter geht es inmitten von Feldern, Wiesen und Wäldchen. Am Rande Südkirchens entlang und durch das kleine Naturschutzgebiet Bakenbusch. Nach ca. 13 Kilometern erreichst du den südlichen Eingang des Nordkirchener Schlossparks. Durch schöne Waldwege geht es weiter zum Schloss Nordkirchen. Während du das Schloss schon sehen kannst, passierst du die Oranienburg, bevor dich dann die Stufen am Wassergraben vor dem Schloss zum Pausieren und Träumen einladen.

Die nächsten Kilometer führen dich wieder durch die typische Münsterlander Gegend: Felder, Wiesen und Wälder. Nach insgesamt knapp 30 Kilometern erreichst du Schloss Westerwinkel. Es kommt nicht so massiv, riesig daher wie Schloss Nordkirchen, es hat einen ganz eigenen Charme. Uns gefällt es viel besser als Schloss Nordkirchen. Wir mögen es eher low-key. Um Schloss Westerwinkel hinter dir zu lassen, geht es über den Golfplatz, auf Wegen natürlich, weiter.

Nach einem weiteren Kilometer fährst du an der Horne-Quelle vorbei. Eine Bank lädt zum Pausieren ein, aber das hattest du ja gerade erst. Also weiter, auf der Waldautobahn. Vorbei an einer Stempelstelle des Jakobswegs führen dich die letzten 10 Kilometer wieder zurück zum Bahnhof in Werne.

EMPFEHLUNG


Brennerei Ehringhausen

Eine lokale Kornbrennerei, die mit viel Leidenschaft neue Geschmacksrichtungen für Brände und Liköre kreiert. Seit dem Sommer 2016 kommt ausserdem ein Gin aus hochwertigen Botanicals hinzu.

Die Ursprünge der Brennerei Ehringhausen reichen auf das Jahr 1962 zurück. Sie ist beheimatet auf dem Hof Ehringhausen, dessen Geschichte bis in das Jahr 1237 zurückreicht.

Brennerei Ehringhausen

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Schloss Nordkirchen

Schloss Nordkirchen gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Ausflugszielen im Münsterland und ist ein eindrucksvolles Beispiel großer Baukunst. Imposant liegt das „Westfälische Versailles“ inmitten einer weitläufigen Parklandschaft und ist ein beeindruckendes Beispiel einer komplett erhaltenen Barockanlage.

Das aus dem 18. Jahrhundert stammende Schloss mit seinem großzügigen, rund 170 Hektar großen Park wurde von der UNESCO als "Gesamtkunstwerk von internationalem Rang" für schutzwürdig erklärt.

Schloss Westerwinkel

Schloss Westerwinkel ist ein barockes Wasserschloss.

Die Besonderheit dieses Schlosses beruht nicht auf einer ereignisreichen Vergangenheit oder auf einer faszinierenden Baugeschichte. Vielmehr unterscheidet es sich von allen anderen Schlössern eher durch seinen eigenen Charakter. Es ist zurückhaltend, wie die Einwohner dieses Landstrichs; es versteckt sich in den Hochwäldern und in den mit Hecken eingefriedeten Wiesen und Feldern; es scheint viel eher allein bleiben zu wollen, verborgen vor jedem Fremden, mit sich selbst und seiner kleinen Welt zufrieden.


Die Heideflächen der Nordheide

Hochmotiviert planten wir unsere Tour in Richtung Lüneburger Heide für den 2. April, und plötzlich standen 130 km vor uns. Viel loser Untergrund, aber auch etwas Asphalt lag vor uns. Wohl wissend, dass wir auf dieser Tour sicher Hunger haben werden und die einzigen offenen Läden (Supermärkte) wegen der Osterfeiertage völlig überfüllt sein würden, habe ich am Vortag kleine Pizzabrötchen zum Mitnehmen gebacken. Nichts ist schlimmer, als unterwegs Hunger zu haben. Ich mag einfach vorbereitet sein.

So begannen wir am Samstagmorgen nach dem Frühstück bei etwa 2° Celsius gegen 8:30 Uhr unseren Tag.

Wir fuhren durch die Hafencity – ziemlich entspannt an diesem Morgen, denn ein großer Teil der Straßen war abgesperrt und überall standen Sicherheitskräfte herum. Angeblich fand hier ein Filmdreh statt, von dem wir nichts gesehen haben, aber viele Leute haben die Chance genutzt, hier für YouTube oder für Tik Tok zu drehen – wer weiß.

Dann kamen wir an der futuristischen U-Bahn-Station „Elbbrücken“ vorbei. Diese sieht architektonisch wirklich imposant aus. Von dort aus ging es über die alten Elbbrücken, die einen schönen Kontrast zum neuen U-Bahnhof bilden, und jedes Mal ein schöner Anblick sind, sowohl die Brücken selbst als auch der Blick über den Fluss zu den Landungsbrücken.

Wir fuhren durch Wilhelmsburg über kleine leere Straßen und Wege, vorbei an Kleingartenanlagen (von denen es hier eine ganze Menge gibt) und alten schönen Häusern. Die Überreste eines Osterfeuers lagen noch in der Luft, und wir kamen an einem solchen vorbei. Das Holz war noch ganz rauchig.

Um die Süderelbe zu überqueren, mussten wir über eine Autobahnbrücke fahren. Das Wasser unter uns glitzerte im Sonnenlicht und wir beobachteten kurz die Kajaks, die unter uns im Wasser fuhren. Am Ende der Brücke führte eine Treppe ins Grüne und entlang eines schönen Weges. In dem Glauben, dort entlang fahren zu müssen, trug ich mein Fahrrad hinunter und wir machten ein paar Fotos, um dann festzustellen, dass dies nicht der richtige Weg war und ich mein Fahrrad wieder hinauf tragen musste. Mit dem Fahrrad eine Treppe hinaufzusteigen macht immer viel Spaß. Nicht.

Jetzt war es endlich Zeit für eine Pause! Natürlich war ich (wir) hungrig, aber ich brauchte auch dringend einen Platz für eine Pinkelpause. Zum Glück fanden wir einen perfekten Platz für beides, an einem kleinen Weg, mit einem Windrad und ohne Menschen in Sichtweite. Wir freuten uns auf die leckeren Pizzabrötchen, mussten aber enttäuscht feststellen, dass diese etwas trocken waren. Aber immer noch besser als leere Mägen zu haben. Erleichtert und leicht gesättigt setzten wir unseren Weg fort.

Langsam tauchte immer mehr Natur um uns herum auf: das Seevetal. Der Weg führte entlang der Seeve. Die Seeve entspringt zwischen Handeloh und Undeloh und fließt, nachdem sie sich 40 km durch die Geest gewunden hat, in die Elbe. Es gab mehrere Wiesen voller Pferde und wir kamen durch einen kleinen Wald mit einer schönen Holzbrücke und gleich dahinter wartete eine alte Steinbrücke auf uns, die Viadukt-Eisenbahnbrücke über die Seeve bei Jesteburg.

In Richtung Undeloh fuhren wir durch ein schönes Waldgebiet. In einer Hütte fanden wir Grüße von Udo (wer auch immer Udo war) und einen künstlerisch gestalteten Rastplatz. Das Licht und der Wald hatten einen ganz eigenen Zauber.

Als wir schließlich Undeloh erreichten, öffnete sich die Heidelandschaft. Obwohl zu dieser Jahreszeit noch nicht viel blühte, ist der Blick über die Heide immer wieder schön. Wir wollten eine Pause einlegen und hatten dafür einen Platz ins Auge gefasst, der auf Komoot als Highlight aufgeführt war, eine Bank mit Blick auf die Heide. Doch dank des schönen Sonnentages waren die Bänke alle von Wanderern oder anderen Radfahrern besetzt. Also vorerst keine Rast für uns. Unsere Essensgelüste mussten noch etwas warten. Und so folgten wir weiter dem Weg durch die Heide, der zu einem kleinen Singletrail mit einigen Wurzeln wurde. Eine schöne Fahrt.

Schließlich fanden wir eine leere Bank für uns und ich konnte endlich etwas essen. Ein wenig erschöpft von den paar Höhenmetern, die wir einfach nicht gewohnt sind. Aber so ist das nun mal, wenn man in einer so flachen Region lebt. Jedes Stückchen Hügel wird zur Herausforderung.

Weiter ging es über Kopfsteinpflaster und sandige Wege. Wir mussten unsere Kräfte gut einsetzen, wir waren bei knapp 70km und im Grunde schon wieder auf dem Heimweg, ganz in der Nähe der Seeve auf einem Singletrail und durch das schöne Büsenbachtal.

Erschöpft und mit dem Wunsch, nur noch nach Hause zu fahren, fuhren wir durch das Naturschutzgebiet Brunsberg und dann weiter durch Wälder bei Buchholz und Rosengarten.

Leider gibt es hier kaum Bilder vom Rest der Strecke. Wie Björn (immer wieder) erwähnte, tat ihm jedes einzelne Körperteil weh, und jeder kleine Hügel, den wir erklimmen mussten, zehrte an unserer Energie, und ich träumte schon von einem leckeren Essen auf der Couch zu Hause. Wir fuhren weiter, um schnell nach Hause zu kommen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren wir mehr am Meckern als am Genießen der Umgebung und der schönen Natur. Aber manchmal ist das eben so. Wir sind sehr ehrgeizig an die Strecke herangegangen, wohl wissend, dass wir schon lange nicht mehr so viele Kilometer am Stück gefahren sind. Wahrscheinlich haben wir auch die knapp 800 Höhenmeter direkt gespürt. Wir sind eben echte Flachlandmenschen.


Von brennenden weissen Mooren und grünen Wäldern

Nach einer Fahrt in den Hamburger Westen am Samstag, fanden wir uns abends auf dem Sofa wieder, um darüber zu reden, wohin es am Sonntag gehen sollte. Wie so oft endete es mit „keine Ahnung, was denkst du?“ Also entschieden wir uns für eine Richtung, dieses Mal war es Norden.

Wir öffneten Komoot und fingen an, unsere Route zusammenzuklicken und zusammenzustellen. Aus einem Gespräch mit einem Freund wusste ich, dass er das Wittmoor und den Tangstedter Forst sehr mochte, und da noch keiner von uns dort gewesen war, sollte das auf jeden Fall Teil unserer Route werden. Wir fügten noch einige andere Orte hinzu und kamen so auf etwa 70 km.

Am nächsten Tag, dem Sonntag, standen wir gegen 8 Uhr auf, frühstückten und verließen dann das Haus.

Der erste Teil unserer Route führte uns über den Alsterwanderweg, erst in der Stadt, dann langsam aus der Stadt heraus. Da es schon gegen 9:30/10 Uhr war, war der Weg schon ziemlich voll mit Menschen. Läufer, Leute, die mit ihren Hunden spazieren gehen, alles Mögliche. Es war trotzdem schön, hätte aber mit weniger Leuten mehr Spaß machen können (wenn wir nur früher aufgestanden wären).

Der erste Ort, an dem wir eine kurze Pause einlegten, um eine Kleinigkeit zu essen, war der Hummelsee, der sich im Hummelsbütteler Moor befindet. Wir waren schon ein paar Mal dort gewesen und beschlossen diesmal, uns den Müllberg (ja, der heisst so) nur anzuschauen und nicht hinaufzugehen, wie ein anderes Mal zuvor.

Nach diesem kurzen Zwischenstopp fuhren wir weiter zum Wittmoor, einem wirklich schönen Ort, den ich auf jeden Fall noch einmal besuchen möchte, um mehr Fotos zu machen. Diesmal habe ich nicht allzu viele gemacht, da es auch ziemlich voll war, aber an einem Samstag und zu einer früheren Tageszeit sollte es einfach fantastisch sein. Was für ein schöner Ort.

Als nächstes auf dem Programm: Tangstedter Forst.

Und was für ein schöner Ort. Ein riesiges Waldgebiet. Auch wenn es auch viele Menschen gab, fühlte es sich nicht so an, da es viele Möglichkeiten gibt, wenn es um Wege geht. Definitiv ein Ort, an den wir auch zurückkehren MÜSSEN.

Wir machten noch einen kurzen Snack-Stopp am Wilstedter See oder Costa Kiesa, wie die Einheimischen ihn nennen. Normalerweise ist der See ein ziemlich überfüllter Badeplatz, aber er ist wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Außer uns waren also nur eine Familie und eine ältere Dame da, die tatsächlich schwimmen ging. Respekt vor ihr, denn das Wasser muss noch ziemlich kalt gewesen sein.

Unsere Fahrt ging weiter durch das Henstedter Moor, aber bevor wir das Moor betreten konnten, mussten wir an 5-6 Fahrzeugen der örtlichen Feuerwehr vorbeifahren. Wir fragten uns, warum sie da waren, aber es war nichts Offensichtliches zu sehen. Als die Feuerwehrleute gerade abfahren wollten, fuhren wir weiter.

Nur wenige Minuten später konnte man Rauch und den Geruch von etwas Verbranntem riechen. Nur ein paar hundert Meter weiter konnten wir es sehen, und es war traurig. Teile des Moors waren völlig verbrannt. Die Bäume sahen größtenteils noch gut aus, aber der Großteil des Bodens war schwarz. Es war eine seltsame Erfahrung. Einerseits war es traurig, andererseits sah es visuell interessant aus, sodass ich die Gelegenheit nutzte, ein paar Bilder zu machen und dabei darüber zu sprechen, wie es dazu gekommen sein könnte.

Während ich dies schreibe, habe ich gerade erfahren, dass zwei Teenager versuchten, mit einem Camping-Gaskocher Essen zuzubereiten, dieser kippte um und löste das Feuer aus. In der Presse heißt es: „Die Jugendlichen verhinderten jedoch Schlimmeres, indem sie sofort selbst die Feuerwehr riefen und beim Eintreffen von Polizei und Feuerwehr reumütig von ihrem Missgeschick berichteten.“ Also, wenigstens das. Aber das ist auf jeden Fall eine Mahnung an uns alle, die wir die freie Natur genießen, sie mit Respekt zu behandeln und jederzeit vorsichtig im Umgang mit ihr zu sein.

Wir fuhren weiter, folgten einige Zeit den Bahngleisen auf schönem Schotter, durchquerten einen weiteren Wald und kamen an einem weiteren kleinen Moorgebiet vorbei, bevor wir auf dem Kollauwanderweg zurück in die Stadt fuhren, ins Niendorfer Gehege einbogen und nach Hause fuhren.


Zwischen Atomkraftwerken und baumbewachsenen Ruinen

Es war ein sonniger Sonntagmorgen und wir hatten beschlossen, unsere Räder auszuführen. Doch wir wussten noch nicht genau, wo wir hinfahren sollten. Ich hatte zwei Optionen im Kopf: zwei Strecken im Raum Hamburg aus der Orbit360-Serie. Eine davon führte zu einem Ort, den wir schon oft besucht hatten - den Holmer Sandbergen. Also entschieden wir uns für die andere Strecke, die unsere Freunde Johanna und Timo gescoutet hatten und von der ich interessante Fotos gesehen hatte. Allerdings wollten wir nicht 190 km fahren, also planten wir die Strecke um und bastelten uns eine knapp 100 km lange Variante.

Nachdem wir gefrühstückt hatten (zumindest ich, Jana hatte heute Morgen keine große Lust, viel zu essen), machten wir uns bereit loszufahren. Aber natürlich gab es, wie immer, irgendwelche kleinen Verzögerungen - ich musste erst meine vermissten Socken suchen. Du kennst das sicher: Du suchst in der Schublade nach dem passenden Paar Socken, aber sie sind wie vom Erdboden verschluckt. Du suchst weiter und plötzlich tauchen sie direkt vor deiner Nase auf. Wie kann man nur so blind sein? Aber egal, jetzt luden wir die Route auf unser Wahoo herunter und los ging es!

Da wir die Stadt auf der östlichen Seite verlassen wollten, mussten wir sie erst einmal durchqueren, aber zum Glück ist das an einem Sonntag nicht ganz so nervig wie an anderen Tagen. Über die Oberhafen Connection ging es raus über Moorfleet und die Allermöher Wiesen in Richtung …

Moment, halt, zuerst lag da dieser Baum quer über dem Weg, aber irgendwie ist liegen der falsche Ausdruck, er hing über dem Weg, nicht niedrig genug, um einfach drüber zu klettern, nicht hoch genug, um einfach drunter durchzugehen. Was für Jana vergleichsweise leicht zu sein schien, war für mich der erste Grund zu meckern, worum es hier eigentlich geht. Ich schob das Fahrrad darunter, nahm die Kamera vom Rücken und kroch dann irgendwie in der Hocke hindurch. Das muss für Außenstehende ziemlich bescheuert ausgesehen haben. Schließlich schaffte ich es, mich unter dem Baum hindurchzuzwängen und wieder auf die Beine zu stellen. Jana lachte mich an und fragte, ob ich in Ordnung sei. Ich nickte und wir setzten unseren Weg fort, voller Vorfreude auf all die Abenteuer, die uns noch bevorstanden.

Während einer Pause am See in Neuallermöhe genossen wir die Aussicht. Wir hatten ein paar Snacks dabei, die wir uns teilten. Die frische Luft und die Bewegung hatte Jana dann doch hungrig gemacht und die Snacks schmeckten daher besonders gut.

Wir machten uns weiter auf den Weg durch Neuallermöhe, das übrigens bis zum Beginn der Bauarbeiten an der HafenCity Hamburgs der jüngste Stadtteil Hamburgs war. Er wurde mit dem Fokus auf eine besondere Wohnqualität für junge Familien der ökologisch orientierten Mittelschicht errichtet. Durch diesen Planbau wirkte der Stadtteil auf uns etwas langweilig, aber durch die Häuser mit Zugang zum Wasser und Kanus im Garten auch irgendwie ganz nett. Ich habe leider kein Foto gemacht, aber ich denke, dass Neuallermöhe durchaus schön sein kann.

Wir hatten uns kurz in Gedanken verloren und bemerkten erst zu spät, dass wir die Abzweigung verpasst hatten. Also drehten wir um und haben dann auf einem schmalen, dunklen Steg die Autobahn unterquert. Und dann ging es weiter auf Schotter.

Kurz darauf erreichten wir den wirklich schönen Wald rund um die Dalbekschlucht. Wo Wald ist, da sind Bäume und wo Bäume sind, da …? Richtig, es gibt Bäume auf den Wegen. Und das nicht zu knapp. Außerdem ein richtiges Mini-Mini-Mini-Bächlein.

Den letzten Anstieg schoben wir die Räder hoch, da er ziemlich fies war. Erst eine schöne Abfahrt auf Schotter, dann eine 90° Kurve und plötzlich geht es bergauf. Ungünstigerweise standen genau in diesem Moment Leute mitten in der Kurve, sodass wir auf 0 abbremsen mussten. Jana hatte an diesem Tag schon mit ihren Allergien und der Atmung zu kämpfen, sodass wir nach dem Anstieg eine kurze Pause einlegten. Sie hatte ihr veganes Jerky ganz für sich allein. Aus irgendeinem Grund kann ich dem Zeug einfach nichts abgewinnen.

Es folgte ein wirklich schöner Waldabschnitt mit Anstiegen und Abfahrten. Herrlich. Ich hätte an so ziemlich jeder Ecke anhalten und Fotos machen können, aber wir wollten ja weiterkommen.

"...und so endete es damit, dass er mir, wie nicht anders zu erwarten, auf die Fresse anbot."

Im Nachhinein hätte ich mir das Folgende gerne erspart, aber wahrscheinlich war ich an diesem Tag zu impulsiv unterwegs. Irgendwo in Geesthacht belehrte mich ein muskulöser Typ aus seinem Auto heraus, dass es einen Radweg gäbe. Ich bestätigte zwar, dass ich mir dessen bewusst war, auf seine Aufforderung, diesen dann zu benutzen, antwortete ich aus Reflex mit einem „Halt die Fresse“ und so endete es damit, dass er mir, wie nicht anders zu erwarten, auf die Fresse anbot. Zu meinem Glück hatte er dann wohl einen anderen Gedanken und fuhr davon. Aber bis zu dem Punkt, an dem sich unsere Wege trennten, an der nächsten Kreuzung, war ich mir nicht sicher, ob er es nicht noch einmal in Betracht ziehen würde. Nun, ich hatte Glück und vielleicht werde ich beim nächsten Mal einfach still sein oder eine diplomatischere Antwort finden…

Über eine kilometerlange Privatstraße ging es dann zum nächsten Pausenort: dem Atomkraftwerk Krümmel.

Das Kernkraftwerk Krümmel in Geesthacht war einmal das zweitgrößte Kernkraftwerk der Welt und eine Quelle enormer Energie. Doch seit 2011 ist es stillgelegt, nachdem öffentliche Proteste dazu geführt haben, dass es abgeschaltet wurde. Als wir uns dem Kraftwerk näherten, spürte ich eine Gänsehaut. Obwohl es still lag, konnte ich die Energie spüren, die einst durch die Anlage floss. Es war ein seltsames Gefühl, an einem Ort zu sein, der einmal voller Leben und Macht gewesen war, aber nun still und verlassen da lag.

Nach einer Pause setzten wir unseren Weg durch den Wald fort, in Richtung der Besenhorster Sandberge. Doch der Frieden währte nicht lange, denn wir, oder besser gesagt ich, gerieten erneut in einen Konflikt - dieses Mal mit einer SUV-Fahrerin, die überzeugt war, dass die Straße ihr gehörte. Es war nicht mein Tag, was Begegnungen mit Menschen in Autos betraf.

Ich war schon sehr gespannt auf die Besenhorster Sandberge und die Ruinen der ehemaligen Dynamitfabrik, die ich auf Fotos gesehen hatte. Ich wollte unbedingt auch meine eigenen Fotos machen. Leider war es dort jedoch relativ voll und andere Fotografen waren bereits mit Models am Werk. Es gab weder genügend Ruhe noch genügend Platz für weitere Fotos. Aber, wir können ja immer wieder hinfahren.

Die Besenhorster Sandberge sind wirklich ein faszinierender Ort, an dem man die Macht der Natur hautnah erleben kann. Die Ruinen der ehemaligen Dynamitfabrik sind ein faszinierendes Beispiel dafür, wie die Natur ihr Terrain zurückerobert. Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Dächer der Gebäude begrünt, um sie vor Angriffen zu schützen. Doch nun, Jahrzehnte später, findet man auf diesen Dächern sogar Bäume und Pflanzen. Es ist erstaunlich zu sehen, wie schnell die Natur in der Lage ist, sich zurückzuerobern und wieder die Kontrolle zu übernehmen.

Es ist auch faszinierend, die verschiedenen Stadien der Verwitterung zu beobachten, die die Gebäude durchgemacht haben. Einige sind fast vollständig überwuchert und fast nicht mehr zu erkennen, während andere noch immer die Spuren ihrer früheren Funktion tragen. Es ist ein Ort voller Geschichte und Veränderung, der zeigt, wie die Natur immer wieder die Oberhand gewinnt

Nach der etwas längeren Pause in den Sandbergen ging es zurück Richtung Hamburg. So schön und entspannend der alte Marschbahndamm auch ist, weil man einfach viele, viele Kilometer ohne Autos durch Grün fährt, so langweilig kann er auch sein, weil man gefühlte Ewigkeiten nur geradeaus fährt. Vielleicht hat diese Monotonie auch dazu geführt, dass ich mehr über meine müden Beine und Rückenschmerzen geklagt habe. Die Kamera auf dem Rücken ist eben nicht immer so optimal. Mal sehen, wir werden Alternativen testen.

Über den Rückweg gibt es nicht mehr viel zu erzählen und wir haben auch keine Fotos mehr gemacht.


Festive 500 / 2020 – Ein Erfahrungsbericht

TAG 1 - 0 von 500 km

Als wir am Morgen aufwachten, prasselte der Regen an unsere Fenster. Wir beschlossen, noch ein wenig länger im warmen Bett zu bleiben und uns mit einer leckeren Superfood-Bowl zu stärken. Doch bald mussten wir uns auf den Weg machen, denn für heute standen 64 km auf dem Plan.

Wir machten uns auf den Weg durch kleine Waldgebiete und über leere Wege voller Pfützen und tiefen Schlamm. Es war ein wahres Abenteuer, durch den Schlamm zu fahren und manchmal sogar unsere Räder schieben zu müssen. Manche von uns hatten mehr Spaß daran als andere, aber am Ende waren wir alle ziemlich Schlamm-verkrustet.

Doch das Wetter hielt den ganzen Tag über, und so machten wir uns im Dunkeln auf den Weg zurück nach Hause. Unsere Füße waren nass und kalt, aber wir hatten trotzdem viel Spaß gehabt. Als wir unsere Fahrräder vor der Haustür abstellten, stellten wir jedoch fest, dass nicht 64 km, sondern nur 53 km auf dem Tacho standen. WTF?!? Also machten wir kurzerhand eine Extrarunde und sorgten dafür, dass wir am Ende 60 km auf dem Wahoo hatten.

Nachdem wir den groben Dreck von unseren Fahrrädern entfernt hatten (danke, kleiner tapferer Niederdruckreiniger!), konnten wir endlich ins Warme gehen. Mit uns brachten wir eine Menge Schlamm in unsere Wohnung, doch das war es wert. Jetzt sind wir satt, aufgewärmt und bereit, uns auf der Couch zu entspannen. Wir freuen uns schon auf Tag 2 unserer Herausforderung.

TAG 2 - 60 von 500 km

Es sollte ein Tag voller Abenteuer und Herausforderungen werden, als wir uns früh am Morgen auf den Weg machten, um den strahlenden Sonnenschein zu genießen, der uns vom Wetterbericht versprochen wurde. Laut Komoot erwartete uns eine "schwere Gravel-Tour" im Sachsenwald, bei der gute Kondition erforderlich war und wir sogar gezwungen sein würden, unsere Räder an einigen Stellen zu schieben. Trotz der Kälte und Müdigkeit wollten wir uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen, diese Herausforderung anzunehmen.

Doch wir waren gut vorbereitet und hatten mit dem Cannondale Topstone Lefty ein Rad dabei, das uns mit seiner Federung und den 47mm Reifen auf den schlammigen und wurzeligen Trails half. Trotzdem war es kein leichter Tag. Wir mussten uns durch enge, matschige Durchgänge schlängeln, bei denen das Risiko, in schlammige Pfützen zu fallen, hoch war. Der Wald war in seiner ganzen Pracht zu sehen, die Bäume glitzerten im Sonnenlicht und die Luft war klar und frisch.

Nach 5 Stunden Fahrt hatten wir 75 km zurückgelegt, waren seit über 7 Stunden unterwegs und hatten gefrorene Füße und leere Mägen. Es war ein langer und anstrengender Tag, aber wir waren belohnt mit dem wunderschönen Sonnenuntergang, der uns auf dem Rückweg nach Hause in den Boberger Dünen erwartete. Jetzt freuen wir uns auf einen Film und die Couch, während wir uns auf das konzentrieren, was der nächste Tag bringen wird. Wir wissen noch nicht, was uns morgen erwartet, aber eines ist sicher: Wir werden weitermachen und uns den nächsten Herausforderungen stellen.

TAG 3 - 135 von 500 km

Gestern führte uns unsere Route durch anstrengendes Gelände und wir waren froh, heute eine flache Strecke zu haben, die uns entlang der Elbe führen würde. Leider fühlten wir uns nach dem gestrigen Tag nicht wirklich fit und waren müde, hatten Muskelkater und Björns rechtes Knie schmerzte.

Die Landschaft entlang des Schafdeichs bot uns während der Fahrt eine schöne Aussicht, aber auch die Monotonie der norddeutschen Landschaft im Winter machte sich bemerkbar. Immerhin regnete es wirklich nicht und der Wind kam zunächst nur von der Seite. Auf dem Rückweg jedoch mussten wir uns dem fiesen Gegenwind stellen, der uns beinahe von der Straße blies und die Kälte, die langsam durch unsere Kleidung kroch, machte die Sache nicht besser.

Wir konnten es kaum erwarten, endlich wieder nach Hause zu kommen und genug von Wind, Kälte und schmerzenden Knien zu haben. Trotzdem haben wir es geschafft, knapp 72 Kilometer zurückzulegen und damit 40 % der Strecke der Challenge zu bewältigen. Jetzt werden wir unsere müden Muskeln und schmerzenden Knie entspannen und morgen einen Ruhetag einlegen. Das bedeutet, dass wir an den anderen Tagen mehr Kilometer zurücklegen müssen, aber jetzt müssen wir erst einmal auf unsere Körper hören und ihnen die Zeit geben, sich zu erholen.

TAG 4 - 202 von 500 km

Nach der anstrengenden Runde gestern fühle ich mich völlig erschöpft und müde. Es fühlt sich an, als hätte ich jeden einzelnen Muskel in meinem Körper benutzt und nun spüre ich Teile von mir, die ich schon lange nicht mehr gespürt habe. Der heutige Ruhetag ist offensichtlich dringend nötig, um mich wieder aufzuladen und meine Energiereserven wieder aufzufüllen. Aber ich frage mich, wie es möglich ist, dass man sich nach einer Runde Radfahren so schlapp fühlt? Was will mein Körper von mir? Und dieses schmerzende Knie ... Es scheint, als hätte ich meine Grenzen erreicht und brauche dringend eine Pause, um mich wieder fit und energiegeladen zu fühlen.

Jana fühlt sich auch ein wenig müde und hat leichten Muskelkater, aber im Vergleich zu mir scheint sie in Topform zu sein. Sie wirkt vollkommen unbeeindruckt und ich beneide sie ein wenig um ihre Energie und Ausdauer, aber ich weiß, dass jeder von uns anders ist und wir alle unsere Grenzen haben. Ich hoffe, dass ich morgen wieder genug Energie habe, um zusammen mit aufs Rad zu gehen und die Challenge weiter anzugehen.

TAG 5 - 202 von 500 km

Heute stand Tag 5 der #festive500 an und wir waren gespannt, wie es laufen würde. Nach unserem gestrigen Ruhetag fühlten sich unsere Muskeln ausgeruht und bereit, sich der Herausforderung zu stellen. Wir entschieden uns, die gleiche Strecke wie am Vortag zu fahren, da wir dort schneller unterwegs waren als auf Schotterstraßen, abgesehen vom Gegenwind. Es war vielleicht nicht die aufregendste Option, aber dennoch eine kluge Wahl.

Doch schon nach den ersten zehn Kilometern mussten wir unser Vorhaben unterbrechen, als Björns Hinterrad plötzlich an Luft verlor. Wir pumpten es wieder auf und setzten unsere Fahrt fort, doch leider verlor es bald darauf erneut den Luftdruck. Wir wussten, dass wir uns das genauer ansehen mussten, und entdeckten schließlich zwei Löcher in Björns Reifen. Da wir Tubeless unterwegs waren, hofften wir, dass sich die Löcher von selbst schließen würden, aber enttäuschenderweise war das nicht der Fall. Ein Blick in den Reifen offenbarte es: die Dichtmilch war völlig vollständig ausgetrocknet. Wir mussten also umsteigen auf einen Schlauch, was uns zwar viel Zeit kostete, aber immerhin konnten wir danach ohne weitere Probleme weiterfahren. Zwar fing Björns Knie vereinzelt an zu schmerzen, aber es war nicht so schlimm wie bei der letzten Fahrt. Trotz der kleinen Rückschläge waren wir entschlossen, die #festive500 erfolgreich zu beenden.

TAG 6 - 281 von 500 km

Lefty, es tut mir leid, aber ich kann heute enttäuschenderweise nicht mit dir rausfahren. Mein Knie bereitet wieder Probleme und ich habe mir gestern auch noch einen Nerv eingeklemmt, wodurch mein Rücken schmerzt. Deshalb werde ich heute wohl einfach auf dem Sofa bleiben und mich ausruhen müssen.

Jana hat heute auf Zwift solide 40 km absolviert und ich habe sie als guter Ehemann mental unterstützt und ihr immer wieder ihre Trinkflaschen aufgefüllt. Es ist zwar schade, dass ich heute nicht fahren kann, aber ich muss auf meinen Körper hören und mich ausruhen. Ich hoffe, dass ich morgen wieder in der Lage sein werde, raus aufs Rad zu gehen und die Festive 500 weiterzufahren.

TAG 7 - 321 von 500 km

Es ist Tag 7 der #festive500 Challenge und ich liege wieder einmal auf dem Sofa, mein Bein hochgelegt. Leider hat sich an meinem schmerzenden Knie immer noch nichts gebessert, was bedeutet, dass ich die Challenge für mich beenden muss.

Die wunderbare Frau an meiner Seite, möchte sich durchbeißen. Sie hat bereits 387 von 500 km geschafft und hat vor, die restlichen Kilometer morgen auf Zwift in zwei Etappen zu fahren. Ich bin beeindruckt von ihrem Durchhaltevermögen und ihrem Willen, die Challenge zu beenden. Ich selbst würde nicht mehr als 2 Stunden am Stück auf dem Rollentrainer aushalten.

Ich drücke ihr die Daumen und hoffe, dass sie ihr Ziel erreichen wird, auch wenn ich selbst nicht mehr in der Lage bin, weiterzumachen. Aber hey, zumindest kann ich von meinem bequemen Sofa aus zusehen, wie sie sich abstrampelt, und ihr mit Mut zusprechen. "Du schaffst das! Noch 113 km, das ist doch gar nichts! Haha, nur ein Spaziergang im Park für dich."

TAG 8 - 387 von 500 km

Es ist der letzte Tag der #festive500 Challenge und die Spannung steigt. Frohes neues Jahr! Leider konnte Björn nicht weiterfahren und seine Herausforderung endete nach 280 km aufgrund seines schmerzenden Knies. Aber man muss auf seinen Körper hören. Das bedeutet, dass ich noch 120 km zu bewältigen habe.

"Du schaffst das! Noch 113 km, das ist doch gar nichts!

Drinnen bin ich bisher noch nie länger als 50 km am Stück gefahren, aber obwohl man nicht den Elementen ausgesetzt ist, ist das Fahren im Freien aufregender und abwechslungsreicher. Voller Motivation fuhr ich die ersten 61 km, aß ein Stück Kuchen und startete dann in die zweite Runde. Nach 4 1/2 Stunden Fahrt war ich schließlich fertig und hatte es geschafft, 511 km zurückzulegen.

Wir sind beide stolz auf uns, denn wir haben noch nie so viele Kilometer am Stück zurückgelegt und ich habe erst diesen Sommer richtig mit dem Radfahren angefangen. Mal sehen, ob wir es nächstes Jahr wieder versuchen werden, aber auf jeden Fall freuen wir uns darauf, ein 2021 voller Zeit auf dem Rad zu haben.


Das erste Mal auf einem E-Bike: Specialized Turbo Creo SL Evo

Ich weiß noch, wie Jana eines Tages ihrer Mutter am Telefon erzählte, dass ich jetzt ein neues Fahrrad hätte und ihre Mutter fragte: „Ein E-Bike?“ In diesem Moment schaute ich Jana empört an: „Wie bitte? Will sie mich etwa beleidigen? Tz!“ Schließlich fahre ich seit 8 oder sogar mehr Jahren nur noch mit meinen Fixed Gear Bikes. Ich …? Ein E-Bike? Niemals!

Als Concept Cycles Hamburg uns kürzlich einlud, das neue Specialized Turbo Creo SL EVO ein Wochenende lang zu testen, sagten wir natürlich zu. Tatsächlich waren wir doch recht neugierig auf ein solches E-Bike.

Am Freitagabend, nachdem Janas Arbeitstag in der Agentur beendet war, holten wir die Räder bei Concept Cycles Hamburg ab. Die beiden Specialized Turbo Creo SL Comp Carbon EVOs warteten bereits auf uns, voll aufgeladen und bereit für die Fahrt bei Sonnenaufgang am Samstagmorgen.

Bevor wir jedoch über die Fahrt und unsere Eindrücke von dem Fahrrad berichten, wollen wir ein paar Details über das Fahrrad selbst erzählen…

Das Turbo Creo SL Comp Carbon EVO basiert auf dem gleichen Rahmenset wie das Turbo Creo SL Comp Carbon E-Rennrad und ist in zwei verschiedenen Ausführungen erhältlich: Satin Sage Green/Black und Gloss Navy/White Mountains. Unser Favorit ist eindeutig das grüne Rad und zum Glück hatten wir dieses zum Testen.

Das Herzstück des Turbo Creo SL Comp Carbon EVO ist der SL 1.1-E Motor mit einer maximalen Unterstützung von 240W, der von der 320Wh Batterie im Unterrohr angetrieben wird. Die maximale Reichweite gibt Specialized mit 120 km an, kann aber mit einem optionalen Range Extender um weitere 60 km verlängert werden.

Die Comp Carbon Version des Bikes ist mit einer 1×11 Shimano GRX 810 Gruppe und Bremsen ausgestattet, ich kenne diese Gruppe bereits von meinem Canyon Grail CF SL und mag sie sehr. Specialized hat Praxis Kurbeln verbaut.

Im Steuerrohr integriert ist das Future Shock 2.0 System, das in der Intensität seiner Dämpfung über einen Knopf am Vorbau einstellbar ist und 20 mm Federweg bietet.

Specialized hat das Turbo Creo SL EVO außerdem mit einer X-Fusion Manic Sattelstütze mit 50 mm Federweg ausgestattet.

Zur Standardausstattung gehören 700 x 38 C Pathfinder Pro-Reifen auf DT Swiss R470 Boost-Laufrädern. Die Vorderachse ist 110 mm breit und die Hinterachse 148 mm breit. Der Rahmen erlaubt maximale Reifenbreiten von 700 x 42C bzw. 650b x 50.

Das Specialized Turbo Creo SL EVO IN DER WILDNIS

Der Wecker klingelte am Samstagmorgen um 6 Uhr und nach Kaffee und einer Banane mit Erdnussbutter und Laugenstangen machten wir uns auf den Weg nach Hause. Wir hatten vor kurzem das Himmelmoor auf einer anderen Fahrt entdeckt und wollten wieder dorthin zurückkehren.

Da wir unbedingt rechtzeitig zum Sonnenaufgang da sein wollten (was wir immer noch nicht geschafft haben, weil wir manchmal einfach trödeln), haben wir die Pedale nicht wie geplant gewechselt. (Niemals sagen: „Ach, das wird schon!!!).

Wir waren also auf den wohl einfachsten Flat-Pedalen, die Specialized zu bieten hat unterwegs. Ein Traum, wenn man mit Klickschuhen unterwegs ist. Naja, beim nächsten Mal wissen wir, dass wir es am Abend auf jeden Fall zu Ende bringen müssen.

Eines haben wir gleich am Freitagabend festgestellt: Das Specialized Turbo Creo SL EVO ist für ein E-Bike wirklich leicht. Genaue Angaben zum Gewicht konnten wir nicht finden, aber das Rad in den 4. Stock zu tragen war kein Problem. Das war auch am Samstagmorgen wieder unser Eindruck.

Auf der Straße war die Unterstützung nicht so spektakulär, aber abseits des Asphalts war sie meiner Meinung nach spürbarer, da man normalerweise viel mehr Kraft aus den Beinen braucht, um die Geschwindigkeit auf Schotter zu erreichen. Ich kann nicht sagen, dass es keinen Spaß gemacht hat, auf diese Weise herumzuflitzen.

Im Moor angekommen, wurden wir mit schönem Licht und Sonnenschein belohnt, erst mal ein schneller Snack, ein paar Fotos und dann weiter. Hier haben wir schon gemerkt, das Fahrrad zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Und das zu Recht. Es ist wirklich ein schönes Fahrrad und das Tollste daran ist, dass es nicht auf den ersten Blick E-Bike schreit. Bis man den Motor bemerkt oder hört. Er ist zwar spürbar, aber nicht störend. Da wir zum ersten Mal auf einem E-Bike saßen, fehlt uns der Vergleich zu anderen Motoren da draußen.

Jana, die normalerweise ein Specialized Diverge Base Carbon mit Future Shock 1.5 fährt, war sehr beeindruckt von der Einstellbarkeit des Future Shock 2.0 während der Fahrt, die Federung war auf Kopfsteinpflaster und bei Unebenheiten spürbar und trug dazu bei, die Fahrt angenehmer zu gestalten.

Ich war sehr beeindruckt von der ruhigen und direkten Schaltung, vielleicht sollte ich meine auf meinem Grail neu einstellen.

Natürlich blieb uns eine Reifenpanne nicht erspart, aber dank der Steckachsen war der Austausch des Schlauches schnell erledigt. Es ist schwer zu beurteilen, ob dies ein direktes Argument gegen die Reifen ist oder ob Jana einfach nur Pech hatte. Auf ihrem Diverge, das mit Pathfinder-Reifen ausgestattet ist, hatte sie bisher noch keine Reifenpanne.

Kommen wir nun zum...

FAZIT

Wir sind uns nicht ganz sicher, was der Zweck des Specialized Turbo Creo SL EVO für uns sein könnte. Einen Moment lang hatte ich den Gedanken, dass ich das Rad für Bikepacking-Touren nutzen könnte, aber es fehlt an Befestigungspunkten, denn außer zwei Flaschenhaltern und Schutzblechen lässt sich nichts montieren. Das kenne ich von meinem Canyon Grail CF SL, aber die Dropper Post nimmt mir auch die Möglichkeit einer Satteltasche. Dazu kommt noch die Reichweite von 120km, wenn ich also längere Strecken fahren will, muss ich den Extender anbauen und verliere damit einen der beiden Plätze für Trinkflaschen.

Jana hat schon während der Fahrt erwähnt, dass ihr das Fahrrad zwar Spaß macht, aber niemals das Gefühl ersetzen kann, das sie hat, wenn sie aus eigener Kraft auf einem Fahrrad fährt. Zumindest nicht, solange sie noch fit genug dafür ist.


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Wir sind Jana & Björn, zwei begeisterte Radfahrer:innen, die alles teilen, was in unserem Leben mit dem Radfahren zu tun hat. Bisher haben wir das nur über unser Instagram-Profil gemacht, aber wir wollen mehr. Wir mögen Instagram sehr und verbringen viel Zeit dort, aber es gibt einfach einige Dinge, die uns an der Plattform nicht gefallen.

Zum Beispiel ist Instagram sehr einschränkend, wenn es um Bildformate geht. Wir haben schon viele Diskussionen darüber geführt, dass ein Bild im Querformat viel besser aussieht, aber auf Instagram zu klein dargestellt wird, um Aufmerksamkeit zu erregen. Auch die Länge von Texten ist auf Instagram begrenzt und manchmal gibt es Fotos, die auf der Plattform einfach nicht "funktionieren".

Mit dieser Website lösen wir all diese Probleme für uns, denn wir können ausführlicher über Dinge schreiben, die sonst auf Instagram übersehen werden. Wir können mehr Fotos teilen und diese in angemessener Größe und Qualität veröffentlichen. Außerdem ist es fantastisch, etwas zu haben, woran wir gemeinsam arbeiten können. Schließlich teilen wir die Leidenschaft für das Radfahren und auch für Fotografie und soziale Medien. Warum also nicht versuchen, mehr daraus zu machen?

Neben dieser Website schmieden wir Pläne und denken über Ideen für die Zukunft nach. In diesem verrückten Jahr 2020 haben wir beschlossen, die Zeit zu nutzen und neue Projekte zu starten. Das wird bestimmt aufregend werden.

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