Der frühe Vogel und sein Wurm oder Die Nordheide im Nebel

Buchholz in der Nordheide

Niedersachsen, Deutschland


DISTANZ


55,5 km

HÖHENMETER


300 m

Unbefestigt


20,7 km

SINGLETRAIL


4,4 km

Es war wieder einmal soweit – für unseren kleinen Radausflug durch das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide stellten wir unseren Wecker um 4:30 Uhr. Unser Plan: mit dem ersten Zug nach Buchholz und dann ab in die Heide. Die flache und weite Landschaft bietet sich für kleine Ausflüge aus dem Alltag nahezu an. In Niedersachsen ist dies der größte autofreie Bereich und somit der perfekte Ort, um mal wieder runter zu schalten. Viele Hotels und Ferienunterkünfte sind rund um die Heide für Fahrradfahrer ausgelegt, denn am besten lässt sich dieses schöne Stück Erde mit dem Fahrrad oder zu Fuß erkunden. Da wir nicht allzu weit entfernt wohnen, bietet sich ein Tagesausflug mit dem Zug oder komplett mit dem Fahrrad nahezu an.

Nachdem der Wecker klingelte, bedeutete es für uns also, ab in den Magen mit unseren morgendlichen Drinks und einem stärkenden Haferflocken-Frühstück, die ausgelegten Kleidungsstücke anziehen und los gehts.

Die Fahrräder hatten wir vorausschauend am Abend schon vorbereitet. Wir waren müde, denn abgesehen davon, dass es unglaublich früh war, wurde in dieser Nacht auch noch die Zeit umgestellt und die Katze war sehr unruhig. Kaffee gab es keinen, denn den wollten wir uns später unterwegs selbst kochen.

Vor der Haustür war es kalt und neblig. Angeblich 2 Grad, gefühlt weniger. Wir fuhren mit unseren Fahrrädern also schnell durch die verschlafene Stadt zum Bahnhof, um vor Ort festzustellen, dass unser Zug verspätet ist. Wir entschieden uns dann für eine Alternativ-Verbindung und kamen dann schließlich zum Sonnenaufgang in Buchholz an.

Der Buchholzer Stadtteich im Nebel
Der Buchholzer Stadtteich im Nebel
Durch den Sturm umgefallene Bäume versperren den Weg
Mitten auf dem Weg, ein Zaunkönig mit Wurm im Schnabel
Mitten auf dem Weg, eine Rotdrossel mit Wurm im Schnabel

Weiter unsere geplante Route entlang ging es zum Pferdekopf. Unter Pferdekopf verbirgt sich nicht der Kopf eines Pferdes, sondern eine kleine Erhebung im Büsenbachtal, auf der es einen schönen Überblick über das Gebiet gibt.

Wir waren zwar erst knapp 12 Kilometer gefahren, aber bei kühlen 5 Grad und der noch immer frühen Stunde passte es perfekt, auf dem Hügel eine Kaffeepause zu machen.

Außer einer Läuferin und bellenden Hunde (und nach den Hunden schreiende Menschen) in der Ferne war niemand weit und breit.

Die wärmende Jacke übergezogen, oder über die Beine gelegt probierte Jana das erste Mal, zitternd vor Kälte, unseren Gaskocher aus. Das Kaffee- und Milchpulver war bereits vermischt und das Wasser wärmte sich langsam auf. Durch den Wind dauerte es leider etwas. Doch dann gab es Kaffee und Kekse. Nur etwas zum Verrühren hätte dem klumpigen Kaffeepulver gutgetan. Das merken wir uns für das nächste Mal.

Weil wir nicht festfrieren wollten, ging es dann schnell weiter in das angrenzende Naturschutzgebiet Brunsberg. Immerhin wollten wir nicht nur Kaffee trinken, sondern auch ein wenig Fahrrad fahren. Um unsere Gliedmaßen wieder aufzuwärmen war das auch eine gute Idee.

Auf unserem Weg durch die Heide am Brunsberg und am Höllenberg vorbei, und runter zur Höllenschlucht, fuhren wir durch kleine Waldstücke und mussten mehreren (oder eher: sehr vielen) vom letzten großen Sturm umgeworfenen Bäumen ausweichen. Die größeren Wege wurden frei geräumt, das erzählte uns ein älteres Ehepaar, welches wir im Wald trafen. Andere, kleinere Wege hingegen glichen einem Baumfriedhof. Ein trauriger und ehrfürchtiger Anblick: die Naturgewalt und die Anzahl der umgefallenen Bäume.

Der frühe Vogel und sein Wurm: mitten auf dem Weg saß eine kleine Rotdrossel mit Wurm im Schnabel. Die Kleine saß hartnäckig auf dem Weg und nachdem Björn sehr eng an ihr vorbeifuhr, blieben wir stehen um den kleinen, scheinbar angstfreien Vogel anzuschauen (und natürlich zu fotografieren). Nachdem der Kleine zunächst in unsere Richtung hüpfte, um wie ein Model vor der Kamera zu posieren, hüpfte er schließlich doch an den Wegesrand.

Der Nebel hielt sich hartnäckig. In den Waldstücken war die Sicht besser, auf den offenen und Heideflächen hingegen war auch gegen 12 Uhr noch immer Nebel. Der Himmel war bedeckt und von der angekündigten Sonne nicht viel zu sehen.

Am "Hexentanzplatz" hängt diese Figur zwischen den Bäumen
Auf den Zug warten in Maschen...
... und dabei die gute Laune nicht verlieren

Schließlich, auf dem Weg durch das Seevetal, welches wir auf Radwegen und einer sehr ruhigen Straße durchquerten, ließ sich die Sonne blicken. Die Temperatur stieg schnell und so mussten wir eine kurze Pause machen, um unsere warme Kleidung auszuziehen. Trotz etwas Wind rollten wir auf traumhaften Radwegen mit einer für uns schon schnellen Geschwindigkeit zu unserem Ziel des Tages. Der Bahnhof Maschen.

Der Bahnhof in Maschen war klein und bunt. Bemalt in allen Farben und bei den Treppenstufen hingen viele bunte Bilder. Ansonsten gab es zwei Gleise und die Züge, die hier hielten, fuhren etwa stündlich. In zwei Richtungen. Der Fernverkehr fuhr jedoch laut lärmend und schnell vorbei. Wir mussten eine halbe Stunde auf unseren Zug warten, also setzen wir uns auf das Gleis und genossen die Sonne, die unsere durchgefrorenen Körper mittlerweile aufgewärmt hatte. Und dann kam kein Zug, sondern die Ansage, das dieser ausfiel. Wir hatten keine Lust, mit den Fahrrädern ganz bis nach Hause zu fahren, obwohl das durchaus möglich gewesen wäre. Deswegen warteten wir noch eine Stunde am Bahngleis auf unseren Zug. Die Wärme der Sonne und die wenigen anderen Wartenden machten die Zeit recht angenehm. Nur zu essen hatten wir leider nichts mehr.

Wir reflektierten unseren Tag. Viel zu lange hatten wir nicht mehr eine so schöne Tour gemacht. Trotz der Kälte am Morgen waren wir glückselig. Das hatten wir mal wieder gebraucht. Es war fast wie Urlaub.

ROUTE DETAILS


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