Der dritte Tag begann mit Wind und Sonnenschein. Alle auf dem Platz waren noch still und am Schlafen, nur unser Nachbar, der andere Radreisende war schon wach und auf dem Sprung in den Tag.

Wir bauten in aller Ruhe unser Zelt ab und genossen die Ruhe und die frische Luft am Morgen. Als alles verstaut und wir angezogen waren, ließen wir uns noch ein Frühstück aus Schoko-Sojamilch, Müsli und Gewürzgurken schmecken.

Dann wurde es endlich Zeit, aufzubrechen, bevor die Jugendlichen auf diesem Platz erwachten. Die waren allerdings immer noch ziemlich still, als wir uns auf den Weg machten.

Der Start lief super, denn wir hatten Rückenwind. Beste Voraussetzungen also, um locker viele Kilometer mit wenig Anstrengung zurückzulegen. Allerdings wussten wir, vom Blick in den Wetterbericht, dass wir auf eine dicke Regenfront zufahren, die sich über die ganze Nordseeküste ausbreiten sollte. Das bedeutete: Gas geben (zumindest für unsere Verhältnisse), denn wir hatten etwa 70-80 km an diesem Tag geplant.

Von hier aus öffnete sich die Landschaft und wir fuhren überwiegend auf kleinen Gravelwegen und Ferienhausstraßen in den Dünen entlang. Die Landschaft ist hügelig und bietet an mehreren Stellen einen herrlichen Blick auf den Ringkøbing Fjord.

Die Natur um uns herum und die Landschaft war sehr abwechslungsreich: kleine schöne Gravelwege zwischen Bäumen in kleinen Wäldern, asphaltierte Radwege direkt durch die Dünen, ein Auf und Ab und fast immer das Meer im Hintergrund.

Die Stimmung war durch die Wolken am Himmel ganz besonders, auch wenn der immer dunkler wurde und dadurch bedrohlicher wirkte. Und dann kam, was kommen musste. Der Regen, der erste große Regen auf unserer Tour. Der Himmel gab alles und innerhalb von kürzester Zeit mussten wir eine Entscheidung treffen.

Zum Glück waren wir gerade kurz vor Hvide Sande und konnten uns dort dann eine kleine Ecke mit etwas Schutz vor dem Regen suchen. Hier wollten wir ohnehin nach etwa 45 km eine Pause machen und dann weiter.

Aber, wir waren hin- und hergerissen: Weiterfahren, abwarten oder uns eine Alternative suchen? Das mit dem Regen sollte noch eine ganze Weile so weitergehen. Weiterfahren hätte also bedeutet, dass wir, spätestens wenn wir am eigentlichen Ziel angekommen wären, komplett nass gewesen wären.

Weiter unter diesem schützenden Dach zu stehen, war auch keine Option. Die Laune war schlecht und es wurde ziemlich kalt. Was also nun? Wir suchten das Internet ab – gibt es irgendwelche Optionen, trocken durch den restlichen Tag und die Nacht zu kommen? Gibt es irgendwelche Shelter in Hvide Sande?

Hvide Sande ist eine kleine Hafenstadt an der dänischen Westküste und hatte zum Glück Shelterplätze in direkter Nähe. Jetzt mussten wir nur noch das Glück haben, dass es auch noch einen freien für uns gab. Zwar war es noch früh am Tag und wir wollten eigentlich noch etwa 25 km weiter fahren, entschieden uns aber dafür, nur kurz durch den Regen zu fahren und uns einen der Shelter zu schnappen. Komplett durchnässt zu sein, schien für uns an diesem Tag keine Option zu sein.

Wir hatten ganz großes Glück und einer von drei Sheltern war frei. Also zögerten wir nicht und schlugen direkt unser Lager auf. Wir hatten einen herrlichen Blick aufs Wasser, welches direkt vor uns war und eingekuschelt im Schlafsack beobachteten wir den Regen und die Wellen.

Später am Tag hörte der Regen tatsächlich noch auf, sodass wir unsere Umgebung noch ein kleines bisschen erkunden konnten.

Das war für diesen Tag. Wir kochten uns noch Pasta mit Pesto und veganer Salami und bewegten uns nicht mehr aus dem Shelter heraus. Auch, als spät am Abend noch Personen kamen, die angeblich einen Shelter reserviert hatten. Scheinbar kann man das an einigen Sheltern, aber das sollte man natürlich vorher auch wissen und zur Kontrolle kommt ebenfalls niemand. Wir hatten nach den Strapazen jedenfalls keine Lust mehr unser Zelt aufzubauen und blieben im Shelter.

Ein weiter Tag war zu Ende und am nächsten Tag hieß es: Kilometer aufholen!